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Die Tomate

© R. Kraft



Tomaten gehören zur großen Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), ebenso wie Kartoffeln, Paprika, Auberginen und viele andere Nutz- und Zierpflanzen.


Herkunft der Tomate

Die Indianer Mexikos (Azteken) ließen sich schon vor vielen hundert Jahren die Früchte der Wildtomaten schmecken und sie kultivierten sie auch. Sie nannten sie "tumatle". Durch ständige Auslese der besten und größten Früchte und auch durch Zufallskreuzungen entstanden unsere heutigen samenechten Sorten. In der Nähe von Mexiko-City wurden bei Ausgrabungen Tomatensamen gefunden, die vermutlich aus der Zeit um 500 n. Chr. stammen.
Der Entdecker Christoph Kolumbus brachte das Gewächs als Zierpflanze gegen Ende des 15. Jahrhunderts mit nach Europa. Es gab zu dieser Zeit schon Tomatenfrüchte in verschiedenen Größen, Formen und Farben (goldgelb, rot und cremeweiß). Erste noch erhaltene Abbildungen der Tomate aus der Frühen Neuzeit (um 1550) zeigen Pflanzen mit kleinfruchtigen gelben Tomaten und großen unregelmäßig geformten rot/pinkfarbenen Fleischtomaten, die als Gold- oder Liebesapfel (Poma Amoris) bezeichnet wurden. Zu dieser Zeit war man überzeugt davon, dass sie giftig wären und der Genuss dieser Früchte "Liebeswahn" hervorrufen würde. Deshalb waren Tomaten nur als Zierpflanzen in den Gärten reicher Leute zu finden. Erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts werden die Früchte auch bei uns gegessen.


Tomatenanbau heute

Heute sind die Tomaten (vorwiegend F1 Hybriden) weltweit die Nummer 1 im erwerbsmäßigen Gemüseanbau. Es gibt etwa 4000 Tomatensorten und ständig kommen neue hinzu, aber nur sehr wenige sind verbreitet. Braune, orange oder gar zweifarbige Tomaten waren vor 10 Jahren noch kaum bekannt.
Die Tomaten verarbeitende Industrie und der Handel wünschen wegen der langen Transportwege nur gleichmäßig große rote Tomaten mit fester Schale und langer Haltbarkeit. Daher pflückt man die Tomaten oft schon, wenn sie noch grün sind und lässt sie künstlich nachreifen. Diese Tomaten schmecken leider nicht mehr so gut, wie am Strauch ausgereifte.

Wer selbst die Vielfalt der Tomatensorten kennen lernen und schmackhafte Tomaten ernten möchte, kommt nicht umhin diese im eigenen Garten, im Gewächshaus, auf dem Balkon oder am Zimmerfenster anzubauen. Für jeden Standort gibt es eine große Auswahl an passenden Sorten. Diese sollten samenecht sein, d. h. die selbst gesammelten und wieder ausgesäten Samen bringen Tomatenpflanzen hervor, die mit der Muttersorte identisch sind. (In den USA werden diese Tomaten als "heirloom = Erbstück" bezeichnet.) Damit trägt der Hobbygärtner auch zur Erhaltung der Artenvielfalt bei und spart nebenbei eine Menge Geld. Wer die eine oder andere Sorte erst einmal ausprobieren möchte, braucht nur kleine Samenportionen. Wenn die Sorte dann gefällt, kann sie sehr einfach selbst weiter vermehrt werden. Eine Weitervermehrung der F1 Hybridsorten bleibt dem jeweiligen Züchter vorbehalten, d.h. wer solche Sorten anbaut, muss immer wieder neues Saatgut kaufen.


Samenernte nach Großmutters Art

Diese Methode ist sehr einfach und effektiv. Eine ausgereifte Tomate wird in der Mitte quer durchgeschnitten, so dass die Samenkammern frei liegen. Jetzt die Flüssigkeit mit den Samen in einen Behälter ausdrücken. Nun in ein kleines Sieb schütten und mehrmals umrühren, bis alles zähflüssig wird. Zum Schluss mit einem Teelöffel Samenportionen (Brei) entnehmen und auf einem festen Papier zum Trocknen aufbringen. Nicht direktem Sonnenlicht oder anderen Hitzequellen aussetzen! Beschriften nicht vergessen!
Diese im eigenen Säuremantel getrockneten Samen sind bei kühler und trockener Lagerung mindestens 5 Jahre lang haltbar.
Werden große Samenmengen benötigt, werden die Samen vergoren. Während der Fermentation löst sich die gallertartige Masse, welche die Samen umgibt, auf. Die Flüssigkeit wird durch ein Sieb abgeschüttet und die Samen getrocknet.


Inhaltsstoffe der Tomate

Tomaten sind sehr gesund und kalorienarm. Sie enthalten zu etwa 95% Wasser, wenig Nährstoffe, dafür reichlich Vitamine (C), Mineralstoffe (Kalium) und Spurenelemente. Lycopin, ein Carotinoid, das der Tomate ihre rote Farbe verleiht, stärkt unser Immunsystem und senkt bestimmte Krebsrisiken.


Tomatenkultur  / Tipps

Da die Tomatenpflanzen bei uns nicht heimisch sind und bei Aussaat ins Freiland in den meisten Fällen keine reifen Früchte mehr hervorbringen würden, werden sie vorkultiviert.
 

Aussaat

Mitte März bis spätestens Mitte April werden die Tomatensamen in einen Blumentopf oder eine Pflanzschale mit ungedüngter Aussaaterde ausgesät. Zwischen den Körnchen hält man etwa 2 cm Abstand, damit sich die Pflänzchen später bei der Keimung nicht gegenseitig behindern. Die Samen werden nur ganz dünn mit Erde bedeckt und (am besten mit einer Sprühflasche) leicht befeuchtet.
Die Raumtemperatur sollte bei ca. 20° Grad liegen und der Standort möglichst hell sein (Südfenster). Fehlen diese Voraussetzungen, kann mit einer Pflanzenleuchte Abhilfe geschaffen werden.
Das Keimen lässt sich in einem Minigewächshaus mit Bodenheizung erheblich beschleunigen. Frische Samen keimen vollständig innerhalb einer Woche, bei länger gelagerten kann es auch schon einmal 14 Tage dauern.

Verpflanzen in Einzeltöpfe

Sobald sich die beiden Keimblätter der Jungpflänzchen gut entwickelt haben und die ersten Laubblätter im Ansatz sichtbar sind, werden die Tomaten einzeln in 10 - 12 cm Plastiktöpfe mit leicht gedüngter Pflanzenerde so tief eingepflanzt (pikiert), dass die Keimblätter gerade noch herausschauen. Achtung: Beim Herausheben (mit einem Pikierstab) die Pflänzchen nicht am Stängel, sondern vorsichtig an einem Keimblatt anfassen! Nur die kräftigsten Pflänzchen auswählen. Falls die Wurzel sehr lang ist, kann sie um etwa ein Drittel eingekürzt werden. Durch dieses Umpflanzen bildet sich ein kräftiges Wurzelsystem mit vielen Seitenwurzeln. Ein nochmaliges Umtopfen halte ich für nicht notwendig.
Temperatur weiterhin um 20° Grad.

Abhärten

Wenn die Pflanzen kräftig genug sind (15 20 cm hoch), das dürfte je nach Aussaattermin Ende April bis Ende Mai sein, sollten sie langsam an die Außentemperaturen gewöhnt  werden. Achtung: Halbschattig aufstellen, damit es keinen "Sonnenbrand" gibt!

Einpflanzen und Abstützen

Nach dem 20. Mai (Eisheilige) können die Tomatenpflanzen an ihrem endgültigen Platz eingepflanzt werden. Pflanzabstand: 80 cm. Der Standort (in jedem Jahr wechseln) sollte vorher gut mit Kompost versorgt worden sein. Möglichst tief einpflanzen, damit die Tomate viele Wurzeln ausbildet. Eventuell ein bis zwei Blätter entfernen. Gut angießen und eine dünne Mulchschicht aus Stroh oder Gras um die Pflanzen herum legen. Tomaten können sehr hoch wachsen, daher die Stütze (ca. 1,80 m hoch) nicht vergessen. (Bei Buschtomaten genügt 1 m).

Pflanzenschutz

Unbedingt darauf achten, dass das Blattwerk nicht über längere Zeit feucht bleibt dies führt fast immer zu Pilzkrankheiten.

Um dem Risiko eines Totalausfalls durch Unwetter (Hagel) und ganz besonders der  Kraut- und Braunfäule vorzubeugen, sollten die Tomaten immer geschützt angebaut werden. Eine Überdachung lässt sich mit wenig Aufwand leicht selbst herstellen, es gibt aber auch im Handel entsprechende Lösungen. Tomatenreifehauben bieten keinen ausreichenden Schutz.

Pflege

Tomaten laufend anbinden und nur den starken Haupttrieb aufleiten. Die Seitentriebe (Geiztriebe), die aus den Blattachseln wachsen, frühzeitig ausbrechen.

Regelmäßig, aber nicht zu häufig gießen und auch nur mäßig düngen (wenig Stickstoff), sonst erntet man viel Blattwerk und nur wenige Früchte.

Allergiker sollten bei diesen Arbeiten Schutzhandschuhe tragen, denn die Pflanzen sondern über ihre Drüsenhaare ein typisch nach Tomaten duftendes Sekret ab, das starke Hautreizungen hervorrufen kann.

Bei Gewächshaustomaten während der Blütezeit häufiger an den Pflanzstäben rütteln, um die Selbstbestäubung zu unterstützen. Auf gute Belüftung achten, um Pilzkrankheiten zu vermeiden! Zu hohe Temperaturen können auch zum Abfallen der Blüten führen.

Nur kranke Blätter entfernen, denn Bruchstellen werden oft zuerst von Pilzen befallen!

Blüten die sich im September bilden werden abgezupft, da ihre Früchte nicht mehr ausreifen würden. Das sogenannte "Köpfen" der Pflanzen, d.h. das Längenwachstum unterbrechen, sollte nach Möglichkeit vermieden werden.

Ernte

Nur vollreife Früchte pflücken, besonders wenn Samen entnommen werden sollen. Reife Früchte lassen sich leicht mit Stiel abbrechen. Unreife Tomaten reifen zwar dunkel und warm gelagert nach, aber der Geschmack bleibt  meist auf der Strecke. Tomaten nicht zusammen mit anderem Gemüse oder Obst lagern. Keinesfalls im Kühlschrank aufbewahren darunter leidet das Aroma erheblich!


Schadbilder und mögliche Ursachen

Abfallen der Blüten (meist im Gewächshaus)
Temperatur zu hoch Lüften!

Gerollte Blätter
Boden evtl. überdüngt, unproblematisch

Aufgeplatzte Tomaten
Auf gleichmäßige Wasserversorgung achten!

Vergilbte Blätter
Nährstoffmangel (Magnesium, Eisen), Flüssigdüngung!

Fraßstellen an Blättern und Früchten
Raupen (oft vom Kohlweißling) absammeln!

Pflanze verwelkt und stirbt ab (Fusarium -Welke)
Pflanzen entsorgen, Boden austauschen!

Früchte reifen nicht vollständig aus (Grünkragen)
Andere Sorten wählen, Boden untersuchen lassen, nicht zu viele Blätter entfernen!

Braune Blätter, faulende Früchte (Kraut- und Braunfäule)
Pflanzen entsorgen, Standort wechseln, Tomaten überdachen, mulchen, Frühsorten wählen!

Gelbe Blattflecken, Blattunterseite braun / Samtfleckenkrankheit (meist im Gewächshaus)
Niedrige Temperaturen und zu hohe Luftfeuchtigkeit vermeiden, resistente Sorten wählen, z.B. Malinowski!

Grauschimmel / Botrytis (meist im Gewächshaus)
Pflanzabstand vergrößern, Pflanzen nicht verletzen, auf ausreichende Belüftung achten!

Schwarzer Bereich auf Früchten (Blütenendfäule)
Nährstoffmangel (Kalzium), unempfindliche Sorten anbauen!